Allure

Inmitten des riesigen, schwebenden Baumes spielt der junge Vogel Stravoz Verstecken mit seiner kleinen Schwester Florentine. Um es ihr dieses Mal möglichst schwer zu machen, fliegt er den gigantischen Baumstamm hinab und versteckt sich im äußersten Bereich, in dem die Wurzeln im Himmel zu verschwinden beginnen. Nur sein tolles Versteck im Blick habend, wird ihm plötzlich bewusst, dass er nie zuvor so weit weg war von zu Hause, und blickt überwältigt in die wolkenbedeckte, unendliche Weite. Eine unglaubliche Anziehungskraft hat dieser Blick ins Leere, denn er weiß, dass es weit und breit kein Leben gibt als das auf diesem Baum. Völlig in Gedanken versunken hört er – wie aus der Ferne – die Stimme seiner Schwester: „Hab dich!“

Doch Stravoz denkt nicht mehr an das Spiel, seine Gedanken kreisen nur um den neu entdeckten Ort und den unbedingten Willen, die Welt, die sich dahinter befindet, zu erkunden. „Florentine, du solltest schnell nach Hause fliegen, hier unten ist es sehr gefährlich“, schickt er seine Schwester fort, breitet seine Flügel aus und will losfliegen, doch mit einem Mal blockiert ein Gedanke sein Vorhaben. Er erinnert sich an das, was sein Vater Glavoz ihm immer wieder eingeschärft hat: „Stravoz, du darfst niemals den Baum verlassen, niemals! Unser Baum wird umgeben von einer schützenden Atmosphäre, die es uns ermöglicht, hier zu leben, aber hinter der unsichtbaren Grenze – jenseits der Wurzeln und der äußersten Äste – ist nichts! Nichts, das deine Flügel trägt, nichts, das dir genug Luft zum Atmen lässt, nichts als eisige Kälte. Doch das alles wird dich nicht töten, du wirst auf ewig fallen, ohne die leiseste Chance, dich dagegen zu wehren, du wirst dich sehnen nach dem Tod, doch er wird nicht kommen.“

Die eindringlichen Worte des Vaters hallen in Stravoz‘ Gedanken nach, als hätte er sie gerade zum ersten Mal gehört, und sie zwingen ihn zum Abbruch seines Versuchs. So fliegt er nach Hause. In der Zwischenzeit hat Florentine, die sich sorgt um ihren Bruder, ihrem Vater erzählt, wo die beiden Verstecken gespielt haben und wo sich Stravoz offenbar immer noch aufhält. Wütend vor Sorge will Glavoz seinen Sohn nach Hause holen, und als dieser ihm bereits entgegenkommt, stellt er sich ihm in den Weg. „Ich weiß, wo du gewesen bist, ich dachte, ich hätte mich klar ausgedrückt! Es ist viel zu gefährlich da unten, das solltest du längst wissen! Es reicht, du wirst die nächsten Tage hier bleiben und dich nicht wegbewegen, vielleicht lernst du es so!“

Traurig über die Strafe und doch akzeptierend, dass sein Vater keine andere Wahl hatte, denkt Stravoz über das gerade Erlebte nach. Die Anziehung des weiten Nichts da draußen ist ungebrochen, und obwohl er in den nächsten Tagen sein Zuhause nicht verlassen darf, wächst die Absicht, sich schon bald den Regeln zu widersetzen und auszuprobieren, was er heute nur begonnen hat.

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Allure

Release Date : 25/09/2020
Artist : A kew's tag
Catalog ref. : MMM
Format : Digital Download